Die magische Welt und der erste Weltkrieg

Den Text dieser Seite könnt ihr auch als PDF herunterladen: Wizarding Twenties – Die magische Welt und der erste Weltkrieg

 

Die magische Welt und der erste Weltkrieg

Von 1914 – 1918 führten die Muggel einen fürchterlichen Krieg in Europa, im Nahen Osten, in Afrika, in Ostasien und auf den Ozeanen, bei dem insgesamt circa 17 Millionen Menschen ihr Leben verloren. Der Konsens der magischen Welt war, sich aus den Angelegenheiten der Muggel herauszuhalten. Immer wieder fanden dazu internationale magische Konferenzen statt, auf denen sich die Zaubereiminister der verschiedenen Nationen samt Beratungsstab austauschten und über mögliche Verhaltensweisen diskutierten. Doch die Abstimmungen brachten stets das Ergebnis, dass die Hexen und Zauberer sich zurückhalten sollten, um das internationale Geheimhaltungsabkommen nicht zu gefährden.

Mit der Zeit regte sich allerdings in der magischen Welt der Widerstand. Zum einen lebten die Zauberer verstreut zwischen den Muggeln und wurden selbst Opfer von deren Bomben und Giftgasangriffen, zum anderen verwiesen insbesondere die Heiler auf den hippokratischen Eid und so entstanden Initiativen zur nachbarschaftlichen Hilfe. Zunächst geschah das alles in kleinsten Kreisen, so wurden z. B. Schutzzauber um Häuser gezogen, doch schon bald weitete sich das in eine aktive Beteiligung am Krieg aus. Aus verschiedenen Ländern kamen Magier zusammen und gründeten die international agierende Owl Air Force zur Medikamenten- und Nahrungsmittelversorgung besetzter Gebiete. Neben diesen positiven Einmischungen gab es leider auch negative Entwicklungen in der magischen Gesellschaft. So setzten einige Hexen und Zauberer Bubotubler-Eiter bzw. mit Wolfswurz verseuchte Fliegerpfeile ein, um Muggel-Soldaten anzugreifen. Des Weiteren wurden Erumpent-Horn- sowie Erumpent-Sekret-Bomben in Schützengräben geworfen und forderten viele Opfer. Weitere bevorzugte Mittel, die einen fragwürdigen Einsatz fanden, waren Hüpfende Giftpilze, Warzhautpulver und die hochgiftigen, schwarzen Tentakelsamen der Venemosa Tentacula.

Während die internationalen Diskussionen immer härter und kontroverser wurden, kam das deutsche Zaubereiministerium auf die Idee, die Gunst der Stunde zu nutzen, um eine Gebietsausweitung anzustreben. Das Ganze fand unter dem Decknamen „Operation Hippogreif“ statt. Deutschland war ein Vorreiter in der Hippogreifenzucht und auch die Flugbesen waren inzwischen technisch den anderen Ländern gegenüber haushoch überlegen. Diese Geheimoperation fand auf der strategisch günstig gelegenen Insel Madeira statt. Die Insel hat Mittel- bis Hochgebirgscharakter und felsige Steilküsten. Im westlichen Teil der Insel liegt eine relativ ebene Hochfläche in einer Höhe von 1300 m bis 1500 m über dem Meer. Nördlich der Hochfläche schließt sich mit dem Tal des Ribeira da Janela das tief eingeschnittene Tal des mit zwölf Kilometer längsten Flusses der Insel an. In den fruchtbaren Wäldern wuchs u.a. eine magische Pflanze namens Glutaugenkraut, die es nirgendwo sonst auf der Welt gab. Die Blüte dauerte nur wenige Tage im Jahr und heilte auf wundersame Weise lebensbedrohliche Vergiftungen, wie z. B. durch Spinnen und der Venemosa Tentacula. Doch dieses Antidot ist bei falscher Anwendung selbst hochgiftig, was die deutschen Magier ebenfalls durchaus zu nutzen wussten.

Dort wurden heimlich und in kürzester Zeit unzählige Hippogreife und Besen hingeschafft, um einen Blitzangriff vorzubereiten. Erst im letzten Augenblick haben die anderen magischen Nationen durch einen Zufall davon erfahren, eine gestuporte Eule hatte sich nämlich verflogen. Daraufhin rückten sie endlich auch offiziell näher zusammen, um gegen diese offensichtliche und höchst verwerfliche Einflussnahme anzugehen. Dabei wurde zu drastischen Mitteln gegriffen. Es gab einen entsetzlichen Luftangriff auf Madeira, bei dem intensiv und nahezu unkontrolliert Inflammare eingesetzt wurde. Durch die magisch hochwertigen Riesen-Eukalyptus-Wälder, die es überall auf der Insel gab, wurde aus der Aktion eine wahre Flammenhölle. Die knapp 100 m hohen Bäume enthielten arttypische, ätherische Öle, die sie auch in den Boden abgaben. Dies hatte wiederum zu Folge, dass binnen weniger Augenblicke die ganze Insel in Flammen stand. Selbst diese Bäume, die einen normalen Brand überdauern würden, brannten durch das magische Feuer lichterloh nieder. Es gab kein Entkommen. Menschen, Tiere und Pflanzen, die sich am Boden befanden, kamen qualvoll zu Tode. Übrig blieb ein kahles Hochmoor, das sich bis heute nicht davon erholen konnte. Die Schreie und der Geruch von verbranntem Fleisch sowie der penetrante Geruch nach Eukalyptus traumatisierte viele im Einsatz befindliche Auroren. Viele Magier zucken noch heute bei der Erwähnung von Madeira zusammen, da sie selbst dort waren oder Angehörige verloren haben. Auch der Geruch von Eukalyptus ruft schlimmste Erinnerungen hervor und gilt allgemein als unangebracht in der magischen Gesellschaft. Wurden früher Zauberstäbe aus dem magischen Holz gefertigt, wird es nun allgemein geächtet.

Einige, nur auf Madeira vertretene magische Arten wurden durch diesen Krieg für immer ausgelöscht. Darunter fallen neben der magische Pflanze namens Glutaugenkraut auch Tiere wie der schillernde Lockeniberus, ein Vogel, dessen Gesang von Schwermut und trüben Gedanken befreite. Das besondere an Madeira war, dass niemals eine Verbindung zum Festland bestand. Demnach erfolgte die Besiedelung der Insel durch Pflanzen und Tiere vorwiegend über drei Mechanismen: Die passive Verdriftung durch Wind, durch die Meeresströmung und durch das passive Verschleppen durch Vögel und Fledermäuse. Seevögel sowie Zugvögel erreichen Madeira auch durch aktives Fliegen. Die Mittelmeer-Mönchsrobbe hat als einziges magisches Tierwesen je die Insel schwimmend erreicht. Arten, die sich auf Madeira ansiedeln konnten, haben sich im Laufe der Zeit teilweise zu Unterarten und gelegentlich zu eigenständigen Arten, sogenannten Endemiten, entwickelt. Doch nur wenige haben das Inferno überlebt.

Der 1. Weltkrieg hat bei den Muggeln für einen rasanten Fortschritt der Aufnahmetechnik und des Transportwesens gesorgt. Ähnliche Verbesserungen gab es auch bei den Magiern. Während des Krieges wurden noch die haushaltsüblichen Besen geflogen, die zumeist keine nennenswerten Geschwindigkeiten erreichten und in der Höhe oft schwer zu beherrschen waren. Dank des Polsterungszaubers, den Elliot Smethwyck im Jahr 1820 entwickelt hatte, war die Nutzung überhaupt erträglich. Ein sehr bekanntes Beispiel dafür war der 1879 hergestellte Eichschaft 79 vom Besenmacher Elias Grimstone aus Portsmouth. Das war ein solider Besen mit einem sehr dicken, eichenen Stiel, der für längere Flüge auch bei starkem Wind ausgelegt ist. Allerdings war er zu schwerfällig, um bei hohen Geschwindigkeiten wenden zu können. Der Mondputzer von Gladys Boothby aus 1901 war da schon ein Entwicklungssprung, da mit dem schlanken Eschenstiel größere Höhen zu erreichen waren als je zuvor. Die Deutschen feilten während des 1. Weltkriegs an der Beweglichkeit, um einen Vorteil im Kampfgefecht zu haben. So entstanden die Vorläufer der heute bekannten Rennbesen. Kiefer war dabei das Holz der Wahl, denn es war leichter und weicher, somit empfindlicher während des Flugs. Das ging auf Kosten der Sicherheit, denn die Stiele zerbrachen leichter. Dennoch hatten die Deutschen mit dem Reichsreisig eindeutig einen Vorteil im Kampf. Die britische Antwort darauf war die Entwicklung des Silberpfeils von Leonard Jewkes. Dieser Besen galt nun als der eigentliche Vorläufer des Rennbesens, der mit Rückenwind bis zu 110 km/h erreichte. Nutznießer dieser nun sich überschlagenden Forschung und Entwicklung waren die Quidditchspieler, die jetzt wesentlich schnellere und wendigere Besen zur Verfügung haben.