Verpönte Zauber eingesetzt

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Verpönte Zauber eingesetzt – Weltstar verliert Engagement

Die internationale Berühmtheit Estelle Moreau, die Diva der Neuzeit, ist in einen großen Skandal verwickelt. Das ganze Drama spielte sich zur Premiere ihres neuen Theaterstücks „Life without unicorns“ am vergangenen Freitag ab.

Anlässlich der Starbesetzung standen viele Hexen und Zauberer aufgeregt am roten Teppich vor dem Theatre Royal in der Drury Lane, um die Ikone des neuen Jahrhunderts zu huldigen und zu feiern. Es sollte der Abend der Abende, das Ereignis des Jahres werden, über das jeder Magier noch in 10 Jahren sprechen würde. Langfristig geplant von der magischen Regisseurin Ivy Woodstock und produziert von dem Halbkobold Ibrahim Gold war das Ganze ein Garant für die Kultur und ein neuer Meilenstein für die komplette, durch den Krieg gebeutelte Theaterbranche.

Viel Hoffnung wurde daher in die Uraufführung des Stückes, geschrieben von Eliah Abbott, gesetzt. Allerdings kam alles anders als gedacht.

Die Kutsche hielt vor dem legendären Theatre Royal und die von ihren Bewunderinnen und Bewunderern heiß ersehnte Estelle Moreau stieg aus. Sie trug ein atemberaubendes, blau schimmerndes, langes Abendkleid und eine weiße Fellstola lag über ihren Schultern.

Professionell lächelte der Star mit seinen knallroten Lippen in alle Richtungen und ein allgemeines Entzücken durchströmte ihr Publikum. Beinah majestätisch schritt sie über den roten Teppich, ein Blitzlichtgewitter erfüllte die Luft, da passierte es.

Ein kleiner Junge löste sich aus der Menge und rannte mit gezücktem Zauberstab auf Estelle Moreau zu. Diese zog augenblicklich ihren Stab und stuporte zu allgemeinem Entsetzen den Jungen. „Der kleine Charles wollte doch nichts Böses“, schluchzte die aufgelöste Mutter. „Er hat extra für heute den ‚Orchideus‘ gelernt und wollte ihn ihr zeigen.“

Bekanntermaßen gibt es keinen Gegenzauber für diesen, im Krieg mehr als reichlich verwendeten Fluch, und so musste James Pickles durch Zufügen von Schmerzen aus der Bewusstlosigkeit geholt werden. Er weinte bitterlich und ist anschließend mit seiner Familie nach Hause gegangen.

Die Empörung unter den Anwesenden war gigantisch. Viele wollten ihre teuer bezahlten Eintrittskarten (zwei Sickel das Stück) zurückgeben und äußerten ihren Unmut über das Geschehene lauthals.

„Es war Notwehr, ich fühlte mich bedroht“, argumentierte Estelle Moreau hysterisch.

Der anwesende Produzent Ibrahim Gold reagierte umgehend und erklärte, dass „die Aktion von Mademoiselle Moreau nicht tragbar für das Theater sei“. Er entschuldigte sich für ihr Vergehen und stellte sie augenblicklich „von ihren Verpflichtungen zur Erfüllung des Vertrages frei“.

Daraufhin brach die Diva kreischend zusammen und musste von der Regisseurin Ivy Woodstock zurück zur Kutsche geleitet werden. Die Uraufführung fand dennoch mithilfe der Zweitbesetzung statt.

Leider werden in der heutigen Zeit noch immer diese verpönten Zauber aus der Kriegszeit angewendet. Jeder erinnert sich daran, dass durch den massenhaften Einsatz des ‚Stupors‘ auf Madeira vor dem in Brand setzen der Insel unzählige Menschen unnötig ums Leben kamen. Seither gilt aus eben diesem Grunde auch der ‚Inflamare‘ als schwarzmagisch.

Selbst sieben Jahre nach dem Krieg gibt es immer noch Hexen und Zauberer, die es wagen, ganz unbehelligt diese Flüche zu benutzen. Es ist eigentlich unnötig, es zu erwähnen, doch scheinbar geht es nicht anders.

Um es auch dem letzten Magier vor Augen zu führen, zähle ich die nicht mehr zu verwendenden erneut auf: ‚Stupor‘, ‚Inflamare‘, ‚Deprimo‘, ‚Algere Sanguis‘, ‚Corrumpere Cibum‘, ‚Cruere‘ und ‚Sveda‘.

Wer es trotzdem tut, wird hoffentlich von einer modernen und souveränen Gesellschaft geächtet und erfährt entsprechende Konsequenzen wie Estelle Moreau.