Gleichberechtigung

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Gleichberechtigung in der magischen Welt: Wie wir damit umgehen

Swing, Wirtschaftsaufschwung, Mode, Radio und andere technischen Entwicklungen – was sind die Zwanziger nicht toll! Wenn man auf der Tanzfläche die Beine beim Charleston wirbeln lässt und der Bigband zujubelt, das wilde, freie Leben der Großstädte genießt, kann man ganz vergessen, dass vielerorts Frauen noch nicht wählen dürfen, jeder, der nicht weiß ist, nicht als gleichwertiger Mensch gesehen wird, und so weiter. Die Zwanziger waren nicht nur bunt und schön und aufregend, sondern auch voller gesellschaftlicher Ansichten, die wir heutzutage längst nicht mehr teilen oder unterstützen können.

Für unser Spiel stellt sich die Frage: Wie gehen wir damit um? Die Antwort liegt für uns auf der Hand: Spielspaß geht eindeutig vor Authentizität!

Das halten wir schon mit der Musik so: Auch Lieder von 1928 statt 1925 oder auch solche aus den Dreißigern können gerne abgespielt werden, wenn sie denn zu einer passenden Stimmung beitragen. Da ist es selbstverständlich, dass wir das bei einem so wichtigen Thema wie Gleichberechtigung ähnlich handhaben.

Wir machen LARP, keine Living History. Das heißt: Authentizität ist bei uns nur so lange erwünscht, wie sie zur Förderung eines tollen Spielambientes beiträgt. Diskriminierung aufgrund von Geschlechtsidentität, Hautfarbe, Religion, sexueller Orientierung und so weiter wollen wir auf dem Spiel nicht haben. Was wir möchten: Die tollen, spannenden und spaßigen Aspekte der 1920er Jahre auszuspielen, die das Wizarding Twenties für alle Beteiligten hoffentlich zu einer tollen Veranstaltung machen werden!

Zum Glück spielen wir ja nicht in der Muggel-, sondern in der Zaubererwelt und können uns die definieren, wie es passt. Wie sieht es also mit Gleichberechtigung in der europäischen Zaubererwelt aus? Kurz gesagt: Sie ist da, sie ist allgemein verbreitet und akzeptiert.

Sprich: Eine Zaubereiministerin ist genauso wahrscheinlich wie ein Zaubereiminister, Hexen stehen die gleichen Berufe offen wie Zauberern und umgekehrt. Nachdem sich die magischen Gesellschaften ab dem späten 17. Jahrhundert in den Untergrund zurückzogen, waren die Ressourcen beschränkt und so etwas wie Sexismus kann man sich einfach nicht leisten, wenn jeder Zauberstab zählt. Wir sagen also: In den 1920er Jahren ist man in der magischen Welt schon seit einiger Zeit an dem Punkt angekommen, wo Geschlecht, Hautfarbe etc. nicht die Erfolgschancen bestimmen.

Mögliche Konfliktfelder ergeben sich stattdessen aus den Begebenheiten der magischen Welt selber: Der durch die vollständige Abschottung nur oberflächlich stillgelegte Konflikt zwischen Magiern und Muggeln, der Konflikt zwischen Magiern und diversen anderen intelligenten Spezies, der Umgang mit Reinblutideologie und Squibs, die Frage nach der Zauberschulbildung und damit eventuell verbundenem Elitismus, … Das alles sind Fragen, die sich allein aus der magischen Welt selber heraus ergeben und die wir für viel spannender halten als Probleme, mit denen man sich in der realen Welt schon herumschlagen muss.

Dass Gleichberechtigung in der magischen Welt allgemein gelebt wird, stellt natürlich nur ein gesellschaftliches Gesamtbild dar. Wenn jemand von euch also beispielsweise Spaß daran hat, seine oder ihre Rolle in in die Situation zu bringen, sich gegen sexistische Vorurteile durchsetzen zu müssen, ist das an sich durchaus möglich – einen rückständigen sozialen Mikrokosmos kann es immer geben. Nur ist das dann eben nicht repräsentativ für die gesamte magische Gesellschaft.

Also, Ladies und Gentlemen, packt die Hosen ein, wenn ihr keine Lust auf Röcke habt, und die Röcke, wenn ihr keine Hosen wollt! Wir wollen niemanden den Gesellschaftsbildern von vor fast einem Jahrhundert unterwerfen.